4 identische Briefe an einem Tag: Wie du unseriöse Marketing-Angebote erkennst

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Wie du unseriöse Marketingangebote erkennst

Letzte Woche lagen vier identische Briefe in meinem Briefkasten. Vier. An einem Tag.

Absender: ein „Institut“, das mir mitteilt, ich sei im Rahmen einer „Online-Recherche“ für ein Förderprojekt ausgewählt worden. 80 Prozent der Kosten würden übernommen, eine Kommunikationsagentur kümmere sich dann um meine LinkedIn-Präsenz. Ich müsse nur den Eigenanteil zahlen.

Klingt erstmal nett. Bis man genauer hinschaut.

Ich schreibe diesen Beitrag nicht, um mich aufzuregen. Sondern weil ich regelmäßig mit Selbstständigen und Unternehmer:innen aus dem Oberbergischen spreche, die solche Briefe ernst nehmen – und am Ende für mittelmäßige Marketing-Leistungen vier- oder sogar fünfstellige Beträge zahlen. Die Masche im Brief ist nur die Spitze. Die gleichen Tricks laufen über DMs, Anrufe und Werbeanzeigen. Wer die Muster einmal kennt, erkennt sie überall wieder.

Hier sind die fünf Red Flags, die du kennen solltest – bevor du Geld in unseriöse Marketing-Angebote steckst.

Red Flag #1: „Sie wurden ausgewählt“

Vier identische Briefe an einem Tag sind kein Zeichen für sorgfältige Auswahl. Sondern für Streuversand. Genauso ist eine LinkedIn-Nachricht, die mit „Hi {Vorname}“ anfängt, kein Beweis für persönliches Interesse, sondern für eine Massen-Sequenz.

Echte Auswahl beginnt mit einem Gespräch. Mit konkreten Bezügen zu deiner Arbeit, deinem Markt, deinem Stand. Nicht mit einer Floskel, die genauso gut für jeden anderen Selbstständigen in deiner Region passt.

Frag dich: Wenn ich den Namen aus der Anrede streiche – könnte dieser Brief, diese Mail, diese DM auch an jeden anderen aus meiner Branche gehen? Wenn ja, wirst du nicht ausgewählt. Du wirst angeschrieben.

Red Flag #2: „80 Prozent Förderung übernimmt das Institut“

Echte Förderprogramme schreiben dich nicht per Massenpost an. Punkt.

Wenn du in Deutschland nach Fördermitteln suchst – ob für Digitalisierung, Beratung, Weiterbildung oder Marketing – findest du seriöse Programme über offizielle Stellen wie die Förderdatenbank des Bundes, die KfW oder dein zuständiges Landesministerium. Nicht in deinem Briefkasten. Nicht in deinen LinkedIn-DMs.

Was viele dieser angeblichen „Förderprojekte“ tatsächlich sind: ein Verkauf mit Rabatt-Etikett. Eine private Agentur erbringt die Leistung, du zahlst den „Eigenanteil“ – der bei genauerem Hinsehen gar nicht so klein ist. Und wer hinter dem „Institut“ steht, ist oft genug die Agentur selbst, in einer anderen Rechtsform.

Faustregel: Wer dir eine Förderung verspricht, ohne dass du sie aktiv beantragt hast, verkauft dir keine Förderung. Sondern eine Dienstleistung mit Marketing-Mantel.

Übrigens: Wenn du ernsthaft über Fördermittel für deine Selbstständigkeit oder dein Unternehmen nachdenkst, kann ich dir Berater:innen aus meinem Netzwerk empfehlen, die seriös arbeiten. Schreib mir einfach.

Red Flag #3: „Garantierte Reichweite, garantierte Kunden“

Niemand kann dir Reichweite garantieren. Niemand kann dir Kunden garantieren. Wer es trotzdem tut, verkauft entweder Bots oder eine Illusion – oder beides.

Marketing ist kein Automat, in den du Geld wirfst und Kunden rauskommen. Es ist ein System aus Positionierung, Sichtbarkeit, Vertrauen und Konversion. Jede Komponente hängt von Faktoren ab, die kein Anbieter komplett kontrollieren kann: Algorithmen ändern sich, Märkte verschieben sich, dein Angebot entwickelt sich.

Was seriöse Anbieter dir versprechen können, sind klare Prozesse, transparente Strukturen und überprüfbare Zwischenschritte. Was sie dir nicht versprechen können, sind feste Ergebniszahlen.

Wenn ein Angebot mit „Wir bringen dir 30 Anfragen pro Monat“ wirbt – frag genau nach. Welche Definition von „Anfrage“? Über welchen Zeitraum? Was passiert, wenn nicht? Die Antworten verraten dir mehr als die Versprechen.

Red Flag #4: „Nur noch zwei Plätze frei“

Künstliche Verknappung ist eine Verkaufstaktik, keine Ehrlichkeit. „Nur noch zwei Plätze“, „Aktion endet heute Mitternacht“, „Letzte Chance“ – das sind Druckmittel, keine Informationen.

Seriöse Anbieter haben echte Wartelisten, weil sie ausgebucht sind. Nicht, weil ein Countdown abläuft. Wenn du das Gefühl hast, eine Entscheidung jetzt sofort treffen zu müssen, weil sonst etwas Wichtiges entgeht – ist das fast immer ein Zeichen, dass du nicht entscheiden, sondern reagieren sollst.

Eine vernünftige Marketing-Investition kostet vier- oder fünfstellig. Wer dich dazu drängt, eine solche Entscheidung in 24 Stunden zu treffen, hat kein Interesse an deinem Erfolg. Sondern an deiner Unterschrift.

Red Flag #5: Du verstehst nicht, was du genau bekommst

Wenn ein Anbieter dir nach drei Erklärungen immer noch nicht klar machen kann, was genau du für dein Geld bekommst, liegt das nicht an dir. Sondern daran, dass dahinter wenig konkrete Substanz steckt.

Buzzwords wie „strategische Sichtbarkeitsoptimierung“, „ganzheitliche Markenpositionierung“ oder „individuelles Wachstumssystem“ sagen exakt nichts aus. Sie klingen nach viel und bedeuten nach Übersetzung: „irgendwas mit Marketing“.

Bei jedem Angebot solltest du am Ende des Gesprächs wissen:

  • Was wird konkret gemacht? (Welche Inhalte, in welcher Frequenz, in welcher Qualität?)
  • Wer macht es? (Die Person, die dir das Angebot macht – oder ein Praktikant?)
  • Was musst du selbst beisteuern? (Zeit, Inhalte, Freigaben?)
  • Was bekommst du am Ende physisch in die Hand? (Texte, Designs, Reportings, Strategien?)

Wenn die Antworten schwammig bleiben, ist das die Antwort.

Wichtig: Es gibt richtig gute Anbieter

Damit das klar ist: Es gibt sehr gute Marketing-Agenturen, Berater:innen, Texter:innen, SEO-Profis und Social-Media-Manager:innen da draußen. Die haben solche Tricks nicht nötig. Die werden empfohlen, haben echte Referenzen und führen ein ehrliches Erstgespräch, bevor sie dir irgendetwas verkaufen.

Mein Punkt ist nicht „alle sind unseriös“. Sondern: Lerne, den Unterschied zu erkennen.

Die fünf Red Flags helfen dir dabei. Sie sind kein Schutzschild gegen Fehlentscheidungen, aber sie senken die Wahrscheinlichkeit, dass du auf eine offensichtliche Masche reinfällst.

Eine letzte Frage hilft fast immer

Wenn du unsicher bist, ob ein Marketing-Angebot seriös ist, stell dem Anbieter genau diese Frage:

„Was genau bekomme ich – und wer macht die Arbeit?“

Wenn die Antwort schwammig ist, weißt du Bescheid. Wenn sie klar, konkret und ohne Druck kommt – ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du es mit jemandem zu tun hast, der ehrlich arbeitet.

Marketing ist kein Mysterium. Aber es ist auch keine Förderung, die ungefragt in deinem Briefkasten landet.

 


 

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